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31. März 2017
Smart Building ›

Gebäudeautomation ganzheitlich planen: Wegweiser für den Fachplaner.

Zeitgemäße Gebäudeautomation erfordert eine ganzheitliche Planung. Hierfür ist eine Gewerke übergreifende und integrale Betrachtung der Gebäudeautomation notwendig. Der Fachplaner Gebäudeautomation steht während der Planungsphase vor mehreren Aufgaben. Er muss die technischen Systeme verstehen, die Wünsche und den Bedarf des Auftraggebers ermitteln und bestimmte Arbeitsweisen beachten. Zahlreiche Normen, Vorschriften und Gesetze müssen hierbei berücksichtigt und angewendet werden. 

Durchblick im Normendschungel

Kenntnisse über relevante Normen, Richtlinien und Vorschriften muss sich jeder Fachplaner Gebäudeautomation aneignen. Die Grundlage bilden die Richtlinien VDI 3813, VDI 3814 und die internationale Norm für Gebäudeautomation DIN EN ISO 16484. Während sich die VDI Richtlinie 3814 mit der Gebäudeautomation (GA) beschäftigt, wird in der VDI 3813 die Raumautomation (RA) behandelt. Die VDI 3814 spezifiziert, im Gegensatz zu der internationalen Norm, zusätzlich nationale Besonderheiten.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) überarbeitet derzeit beide VDI-Richtlinien. Diese sollen bei der Planung zukünftig nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden. Denn nur durch die Wechselwirkungen zwischen der Anlagen- und Raumautomation können bedarfsabhängige Regelungen und folglich energieeffiziente Lösungen realisiert werden. Demnach werden die Anlagenautomation und Raumautomation in der neuen VDI 3814 vereinheitlicht. Die neue Richtlinie behandelt darüber hinaus das Thema Energieeffizienz und die Qualifizierung von Personal, um vergleichbare Qualifikationen am Markt zu etablieren.

Die Ansprüche des Auftraggebers an die Gebäudeautomation und die Wünsche der zukünftigen Betreiber und Nutzer müssen im Rahmen der Projektanalyse berücksichtigt werden.

Wesentliche Arbeitsmittel für den Fachplaner Gebäudeautomation

Die Ergebnisse der Projektanalyse sollten in ein Lastenheft überführt werden. Bedeutend hierfür sind unteranderem die Automationsschemata und Funktionslisten. Die Basis für das Automationsschema ist das Anlagenschema aus der Anlagenplanung der anderen Gewerke-Planer. Das Automationsschema beschreibt die Aufgaben der technischen Anlage und stellt die zu automatisierende Anlage grafisch dar. Dies beinhaltet die regelungstechnischen Zusammenhänge und die Zuordnung zwischen den verbauten Komponenten und die dafür erforderlichen Hardware-Datenpunkte. Hierdurch ergeben sich hardwareseitige Anforderungen an die Automationssysteme. Vom Fachplaner ist für jede zu automatisierende Anlage ein Automationsschema zu erstellen.

Basierend auf das zuvor erstellte Automationsschema wird die Funktionsliste ausgefüllt. Durch die Funktionsliste werden die erforderlichen Funktionen ermittelt. Hierfür sind Kenntnisse der Anlagen-, Raumautomation- sowie Management- und Bedienfunktionen unabdingbar. Die Funktionsliste dient als Grundlage für das Programmieren bzw. Konfigurieren der Automationssysteme und der Management und Bedieneinrichtungen. Zusätzlich kann die Liste für herstellerneutrale Ausschreibungen, Kostenkalkulationen und Abrechnungen genutzt werden. Bei jeder Änderung im Automationsschema muss die Funktionsliste entsprechend angepasst werden. In der Praxis kommen softwarebasierte Planungstools zum Einsatz, um Fehlern vorzubeugen. Aus dem Automationsschema und der Funktionsliste lassen sich zwar die funktionalen Zusammenhänge, jedoch nicht die konkreten Steuerungsabläufe ableiten. Hierfür empfehlen sich grafische Methoden wie Ablaufdiagramme und Zustandsgraphen. Textliche Beschreibungen gelangen zu schnell an ihre Grenzen.

Energieeffizienz und der Einsatz von Kommunikationssystemen

Die DIN EN 15232 ist bei der Funktionsplanung unausweichlich, um die Anforderung an die Energieeffizienz zu erfüllen. Die europäische Norm beschreibt den Einfluss von Gebäudeautomation auf die Energieeffizienz. Dabei werden Methoden zur Bewertung der Energieeffizienz spezifiziert. Bei der Bewertung der Energieeffizienz mittels Energieeffizienzklassen (A-D) wird zwischen Wohn- und Zweckbau unterschieden.

Kommunikationssysteme sollten bei der ganzheitlichen Planung von Gebäudeautomation sinnvoll eingesetzt werden. Hierfür kommen proprietäre (herstellerspezifisch), offene (herstellerneutrale) als auch Gewerke bezogene und Gewerke übergreifendende Systeme in Frage. Dabei spielt das Internetprotokoll (IP) hinsichtlich des Internet of Things (IoT) eine entscheidende Rolle, um den wachsenden Komfortbedürfnissen der Bauherren gerecht zu werden. Zahlreiche Automationssysteme sind auf dem Markt verfügbar und haben sowohl Stärken als auch Schwächen. Umso wichtiger ist es, die charakteristischen Eigenschaften sowie Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikationssysteme zu kennen.

Welche Leistungen der Fachplaner für Gebäudeautomation in welcher Tiefe zu welchem Zeitpunkt zu erbringen hat, beschreibt die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).