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14. April 2015
Smart Building ›

Warum Gebäudeautomation?
Eine Suche nach dem Sinn.

Smart home, intelligente Gebäude, Vernetzung … diese Schlagwörter geistern durch die Medien. Hersteller, Stromanbieter und selbst die Telekom geben Millionen für Fernsehspots aus, um jeden Bauherren von der Notwendigkeit der »Smartphone Fingertip Haussteuerung« zu begeistern. Und recherchiert man dann im Internet, was es wirklich bringt, trifft man auf die Schlagworte Komfort, Sicherheit und Energieeinsparung – natürlich ohne konkrete Zahlen.

Jede relevante Baumaßnahme kostet Geld. Viel Geld. Deshalb gibt es ausgeklügelte und praxiserprobte Verfahren, diesen Prozess zu strukturieren und zu organisieren, wie zum Beispiel die »Leistungsphasen nach HOAI«. Diese gliedern den Bauprozess in neun Phasen – angefangen von der Grundlagenermittlung bis hin zur Objektbetreuung. Spannend für die Gebäudeautomation ist die Phase 1 »Grundlagenermittlung«. Hierzu zählen Maßnahmen und Überlegungen, die der eigentlichen Planung vorgeschaltet werden, insbesondere Gespräche mit den Bauherren. Die HOAI wird zwar kontinuierlich weiterentwickelt, hat jedoch das Potenzial und die Notwendigkeiten der intelligenten Gebäude noch nicht verinnerlicht. Denn intelligente Gebäude sind keine in Beton gegossenen statischen Gebilde, sondern entwickeln sich immer mehr zu hochdynamischen Gebäude-Systemen.

Aber welchen Bedarf an »Hochdynamik« hat ein konkretes Gebäude? Was kostet es und welchen Nutzen hat es schlussendlich für den Bewohner? Aktuell wird nach dem Motto verfahren: Viel bringt viel. Gebäude werden mit immer mehr vernetzter Technologie ausgestattet und dem Nutzer einfach übergestülpt. Mit dem Ergebnis, das man von einem »Leben im Tollhaus« spricht und die Technologie insgesamt in Frage gestellt wird. So funktioniert es also nicht. Aber wie dann?

Bedürfnistheorie nach Maslow

Im Jahr 1943 legte der amerikanische Sozialpsychologe Abraham Maslow sein Modell der menschlichen Bedürfnisse vor, das fünf Stufen umfasst. Auf der untersten Ebene befinden sich die physiologischen Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Schlafen, also alles, was man zum unmittelbaren Überleben braucht. Die zweite Stufe nehmen die Sicherheitsbedürfnisse ein wie Geld sparen, Vorräte anlegen, Alarmanlagen einbauen,… . Danach folgen die sozialen Bedürfnisse. Hier geht es um das menschliche Streben nach Beziehung, Freundschaft und Austausch. 

Die ersten drei Stufen sind elementar, erst Stufe vier und fünf widmen sich den individuellen Bedürfnissen der Menschen selbst. Deshalb wird die vierte Ebene Individualbedürfnisse genannt. Hier geht es um das, was jeder Mensch von anderen möchte: Respekt, Anerkennung und Prestige. Wer hier seine Bedürfnisse befriedigen möchte, benötigt immer andere Menschen und ein allgemein anerkanntes Wertesystem. Denn es geht um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Ganz oben in der Bedürfnispyramide befindet sich die Selbstverwirklichung. Diese beinhaltet das individuelle Wertesystem, das, was jedem Menschen persönlich wichtig ist.

Vieles, was wir tun, kann jedoch Bedürfnisse in unterschiedlichen Ebenen gleichermaßen befriedigen. So gibt sich der Briefmarkensammler ganz seinem Hobby hin und sammelt im stillen Kämmerlein. Damit befindet er sich auf der Ebene der Selbstverwirklichung. Dann kommuniziert er aber auch intensiv mit anderen Sammlern und trifft diese auf Tauschbörsen. Somit befriedigt er seine sozialen Bedürfnisse. Wenn er dann noch besonders seltene und teure Marken sein Eigen nennt und dafür sogar prämiert wird, erntet er Anerkennung und Prestige.

 

 

Maslow im Kontext der Gebäudeautomation 

Aber welche Bedürfnisebenen werden durch Gebäudeautomation unterstützt? Nahrung, Kleidung, Luft, angenehme Temperaturen – das alles existiert schon seit langem. Dafür benötigt man keine Gebäudeautomation. Sicherlich war vieles in der Vergangenheit nicht optimal geregelt und bei weitem nicht effizient. Hier kommt die nächste Ebene ins Spiel – die Sicherheitsbedürfnisse. Energieeinsparung, Wirtschaftlichkeit – all das gehört in diese Ebene. Aber Gebäudeautomation kann in dieser Ebene noch viel mehr. Vernetzte Rauchmelder, automatisches Licht, Zutrittskontrollsysteme, Rettungs- und Fluchtwegekennzeichnung, Vernetzung mit Rettungsleitstellen – den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Sicherheitsbedürfnisse können somit durch Gebäudeautomation optimal befriedigt werden.

 

Soziale Bedürfnisse, Austausch mit anderen, Kommunikation. Wie findet das heutzutage statt? Man trifft sich persönlich, telefoniert oder redet virtuell in »sozialen Medien« Foren und Blogs. Gebäudeautomation kann hier eigentlich nichts Substantielles leisten. Natürlich kann ein persönliches Treffen mittels Gebäudeautomation in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden (Lichtstimmung, Luftqualität, angenehme Temperatur). Und zum virtuellen Austausch ist ein IP-Netzwerk und Internetzugang erforderlich, aber das ist völlig unabhängig von Automation zu haben.

 

Die beiden obersten Ebenen der maslow´schen Bedürfnispyramide – Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung – sind im Kontext der Gebäudeautomation die interessantesten. Beiden Ebenen liegen Wertesysteme zugrunde. Individualbedürfnisse stützen sich auf das aktuell anerkannte und gültige Wertesystem. Sollen nun Anerkennungs- und Prestigebedürfnisse befriedigt werden, müssen die entsprechenden Werte umgesetzt werden. Aber wie sehen diese Werte aus? Was zeichnet moderne Gebäude aus? Denn das Wort »modern« bezeichnet im Übrigen nichts anderes als die Umsetzung eines allgemein anerkannten Wertesystems.

 

Bauhaus-Stil, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Null-Energie Haus, Vernetzung, smart home – all das sind die Metaphern eines westlich geprägten Gebäude-Wertesystems. Überträgt man gedanklich die Möglichkeiten der Gebäudeautomation auf dieses Wertesystem, so wird sofort klar, dass nur mit vernetzter Gebäudeautomation die Bedürfnisse nach Anerkennung erfüllt werden können. Auch der obersten Ebene, der Selbstverwirklichung, liegt ein Wertesystem zu Grunde, jedoch ist es jetzt das individuelle Wertesystem eines jeden Menschen. Hier wird investiert, weil es der Bauherr so will. Weil es ihm Spaß macht. Weil er sich mit dem Gebäude identifiziert. Folglich lassen sich eher technikaffine Menschen für die umfangreichen Möglichkeiten der Gebäudeautomation begeistern. Und noch eines ist wichtig. Anders als in den unteren drei Ebenen gibt es in den oberen beiden Bedürfnisebenen kein »genug«. Entsprechende Mittel vorausgesetzt können hier äußerst umfangreiche Lösungen umgesetzt werden. 

 

 

Warum Gebäudeautomation?

Welchen Sinn also macht Gebäudeautomation? Sie ermöglicht und optimiert die Befriedigung der Bedürfnisse in den maslow´schen Kategorien Sicherheit, Anerkennung und Selbstverwirklichung. Der »Gestalter am Bau«, der Architekt, ist also gut beraten, diese Bedürfnislagen sorgfältig zu ermitteln und in seinem Entwurfsprozess einzubauen. Da das entsprechende Know-how auf Seiten der Architekten in der Regel nicht vorhanden ist, fällt diese Aufgabe dem Gebäude-System-Designer zu. Gebäudeautomation steht jedoch nicht für sich alleine, sondern ist stets im Zusammenhang mit den gesamten gebäudetechnischen Anlagen zu sehen. Diese wiederum müssen mit der Architektur und somit dem gesamten Bauwerk im Einklang stehen. Deshalb kann ein gutes Gebäude nur in enger Kooperation von Bauherr, Architekt und Gebäude-System-Designer entstehen. Denn erst durch die passgenaue Abstimmung von Gebäudetechnik und Gebäudeautomation mit der Architektur sowie der Bedürfnislage des Bauherrn entsteht eine für alle Beteiligte zufrieden stellende Situation.