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Technologie – Funktion – Design.
Angewandte Automationstechnik im Firmengebäude DIAL.

Die Grenzen zwischen Architektur (Design) und Gebäudetechnik (Gestaltung) sind mittlerweile fließend und erfordern eine neue Gestaltungsphilosophie von Gebäuden. Denn moderne Informationstechnologien entwickeln sich rasant und die Anforderungen steigen stetig, diese Technologien erfolgreich in heutige Planungs- und Bauprozesse zu integrieren. Die einzelnen Subsysteme der Gebäudetechnik werden nicht nur immer vielfältiger und komplexer, sondern zunehmend untereinander vernetzt und automatisiert.

Es sind aber nicht nur die einzelnen Systeme der Gebäudetechnik von dieser Entwicklung betroffen, sondern auch die der Bautechnik. Eine Tür ist nicht mehr nur eine Tür. Sie kann in ihrer Funktion automatisiert und in übergeordnete Zutrittskontroll- und Brandschutzsysteme eingebunden sein. Die Grenzen zwischen den Gewerken verschwinden mehr und mehr. Grundsätzlich ist jedes Gebäude auch aus Sicht der Gebäudetechnik als Ganzes zu betrachten und zu einer schlüssigen Einheit zu gestalten. Mit anderen Worten: Sämtliche Systeme der Gebäudetechnik nehmen in wachsendem Maße Teil an allen Gestaltungsfragen. Genau hier setzt die Gestaltungsphilosophie des »Gebäude-System-Designs« an. 


»Best-practice« moderne Gebäudeautomation: DIAL Neubau in Lüdenscheid

Auf einem rund 5.000 qm großen Baugelände hat DIAL im neuen Bildungsquartier der Stadt Lüdenscheid einen Neubaukomplex mit rund 2.900 qm Netto-Grundfläche realisiert. Grundlage für die hochkomplexe technische Gebäudeausrüstung war der Prozess des »Gebäude-System-Designs«: Auf Basis einer dezidierten Projektanalyse wurden alle wesentlichen Merkmale der Betriebs- und Bedienungsphilosophie des Gebäudes bereits parallel zum Architekturentwurf von DIAL gestaltet. Diese Merkmale bildeten die wesentliche Voraussetzung für das technische Gesamtkonzept und somit eine erfolgreiche Systemintegration moderner Automationstechnologien. 

Im Ergebnis ist das Gebäude in hochwärmegedämmter und nahezu luftdichter Passivhausbauweise errichtet und wird ausschließlich über eine Lüftungsanlage mit einer Wärme-/ Kälterückgewinnung temperiert. Umschaltbare Wärmepumpen decken Spitzenheizlasten im Winter und den deutlich höheren Kühlbedarf im Sommer ab. Massive Decken und Außenwände sind dabei als Speichermassen in das Energie- und Klimakonzept eingebunden. 

Weiterhin stellt das technische Gesamtkonzept hohe Anforderungen an die flexible Nutzungsmöglichkeit sowie einfache Nachrüstbarkeit des DIAL Firmengebäudes. Aus diesem Grund ist der Großteil der Klimatechnik und der Elektrotechnik in einem Doppelboden untergebracht. Lediglich für die Beleuchtung und die Brandmeldeanlage wurde eine reduzierte Deckeninstallation vorgesehen. 

 

Die Automation und ihre Logik

Viele der Automationsfunktionen folgen im Grunde genommen einer einfachen Logik: Anforderungen an Effizienz, Sicherheit und Komfort werden intelligent miteinander ausbalanciert. Das beginnt bereits damit, dass Wärme und Kälte mit Hilfe elektronisch geregelter, variabler Volumenstromregler über die raumlufttechnischen Anlagen bereitgestellt werden. Trinkwarmwasser erhalten die DIAL Mitarbeiter über vollautomatische Armaturen. Der außenliegende Sonnenschutz ist motorbetrieben und verhindert nicht nur Blendung, sondern auch zu hohe Kühllasten im Sommer. 

 

Eine weitere wichtige Rolle spielen elektronische Präsenzmelder, die in den Büroräumen in eigens dafür entwickelte Leuchten integriert sind. Betritt eine Person den Raum, geht automatisch das Licht an - eine Minute nach Verlassen des Raums schaltet es sich automatisch ab. Die indirekte Komponente der Leuchten ist darüber hinaus tageslichtabhängig geregelt und durch direkte Akzente ergänzt. Schalter sucht man in den meisten Räumen vergeblich. Jeder Mitarbeiter hat dafür die Möglichkeit, Licht, Temperatur und Sonnenschutz durch eine »PC-App« individuell zu steuern. Auch auf eine konventionelle Telekommunikationsanlage wurde verzichtet. Stattdessen dient das Smartphone den Mitarbeitern gleichzeitig als Telekommunikationsgerät und Zutrittskontrolle.

 

Softwaregesteuerte Gebäude und Architektur

Softwaregesteuerte Gebäude, wie der Firmensitz von DIAL in Lüdenscheid, machen eines deutlich: Der Einsatz moderner Automationstechnologien erfordert eine Gewerke übergreifende Gestaltungsphilosophie und ist damit klassischer Gegenstand von Architektur. Denn: Zentraler Inhalt von Architektur war und ist es, alle technischen Systeme zu einer funktionalen, konstruktiven und formalen Einheit zu gestalten. Unter dem Begriff »Technik« sind aber heute eine Datenleitung und ihr Inhalt genauso zusammenzufassen wie ein Mauerstein. Selbstverständlich bleibt die Form als gestaltete Summe aller Räume das Wesentliche, aber sie ist anderer Art geworden: Die Form ist nicht mehr nur ein statisches, räumliches Gebilde, sondern vielmehr ein kybernetisches Gesamtsystem.