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15. Juni 2016
Smart Building ›

»Trial and Error« oder Planung: Was ist der bessere Weg zu einer intelligenten Gebäudeautomation?

Was passiert, wenn ein mittelständisches Unternehmen neu bauen möchte? Alle Voraussetzungen für den Bau sind erfüllt: Das Grundstück ist gekauft, ein entsprechendes Raumprogramm liegt vor und die Bauwerkskosten sind veranschlagt. Auch das Budget für den Bau steht zur Verfügung. Jetzt sollte als nächster Schritt die Planung der Baumaßnahme beginnen.

Doch stattdessen trifft sich der Unternehmer mit allen erforderlichen Handwerkern auf dem Grundstück und schildert dort mit emphatischen Worten seine Vision von dem neuen Gebäude. Danach werden Aufträge an die Handwerker erteilt, damit diese so schnell wie möglich mit den Bauarbeiten beginnen. In einem gemeinsamen wöchentlichen Treffen im Baucontainer werden die Bauarbeiten ausdiskutiert und in einem Baustellenprotokoll festgehalten. Die Handwerker sind dann aufgefordert, das Protokoll umzusetzen und den Neubau gemeinsam zu entwickeln. Ihre Lösungsmethode: Trial and Error, also bauen ohne Planung.

Man glaubt es kaum, aber wenn es um den Einsatz von Gebäudeautomation geht, ist genau dieses Szenario ganz und gar kein Einzelfall. Kommt es überhaupt zu einer Entscheidung für und nicht gegen den Einsatz von Gebäudeautomation, so werden notwendige Planungsfragen hinsichtlich sinnvoller Automatismen eines intelligenten Gebäudes bestenfalls baubegleitend abgestimmt, wenn nicht sogar erst im Rahmen der sogenannten Systemintegration nahezu am Ende einer Baumaßnahme. Genau hier liegt ein großes Problem, denn die Funktion und der Nutzen von Gebäudeautomation liegen nicht in den einzelnen technischen Komponenten selbst begründet, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel vieler Komponenten und deren sinnvoller Vernetzung untereinander. Es geht also bei Gebäudeautomation im Kern um die Frage nach einer Gewerke übergreifenden Lösung, die ganz am Anfang einer Baumaßnahme gestellt und beantwortet werden muss und nicht erst am Ende im Rahmen der Systemintegration. Sämtliche Komponenten eines Gebäudes werden durch das vorgedachte Zusammenspiel im Ganzen festgelegt und nicht umgekehrt. Das gilt besonders für die Gebäudeautomation, die ihre Daseinsberechtigung in erster Linie aus der Vernetzung von Komponenten bezieht.

Demzufolge geht es bei der Gebäudeautomation im Kern um neue Planungsspielräume von Gebäuden, die sich aus dem technischen Fortschritt als zentralem Impulsgeber für neue Entwicklungen am Bau ergeben. Die »Intelligenz« eines Gebäudes in Form von sinnvollen Automatismen sollte also das Ergebnis einer strukturierten Planung intelligenter Technologien auf Basis der Bauaufgabe sein. Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) trägt dieser Entwicklung bereits seit 2009 Rechnung, wenn sie die Gebäudeautomation der Anlagengruppe 8 in Teil 4 Fachplanung, Abschnitt 2: Technische Ausrüstung zuordnet. Die Fachplanung der Gebäudeautomation nimmt demzufolge Teil an den Regelkreisen der integralen Planung von Architekten und allen anderen Fachplanern. Nur so lassen sich die großen Potentiale intelligenter Gebäude besser und zielgerichteter ausschöpfen. Ansonsten bleibt der Einsatz intelligenter Technologien weit hinter seinen Möglichkeiten und findet jenseits der marktüblichen Planungsorganisation von Gebäuden statt. Oder um bei der Beschreibung vom Anfang zu bleiben: Es würde nicht wirklich etwas Gutes dabei herauskommen. Gebastelt? Irgendwie ja… Geplant? Sicherlich nein!