
Auch in diesem Jahr haben wir die IALD Enlighten Europe Konferenz besucht, die diesmal in Paris stattfand. Wie schon im vergangenen Jahr war die Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, neue Anregungen mitzunehmen, aktuelle Themen der Lichtbranche zu diskutieren und interessante Menschen mit ihren Projekten, Fragen und Perspektiven kennenzulernen.
Es ist unmöglich, über alles zu berichten, was während der Konferenz angesprochen wurde. Dafür war das Programm zu vielfältig und die Bandbreite der Themen zu groß. Deshalb folgt hier eine persönliche Auswahl der Beiträge und Gedanken, die mich besonders bewegt haben.
Ein zentrales Thema der Konferenz war die Frage, wie Lichtplanung verantwortungsvoller, ressourcenschonender und nachhaltiger werden kann. Bereits im Rahmen der Pre-Conference vermittelten Leela Shanker und Vicki Rybl in ihrem „Lighting Specifications Design Lab“, wie sich Nachhaltigkeitsbewertungen sinnvoll in den Planungsprozess und in die Auswahl von Produkten integrieren lassen. Begriffe und Werkzeuge wie Life Cycle Assessment, Environmental Product Declarations, Embodied Carbon, TM65 oder Carbon Budgets wurden dabei nicht abstrakt behandelt, sondern als konkrete Hilfsmittel für bessere Entscheidungen in der Planung

Zu den Überraschungen gehörte für mich der Vortrag von Paul Beale, der mit seinem Projekt „18 Circular“ eindrucksvoll zeigte, wie zirkuläre Ansätze in der Lichtbranche praktisch gedacht und umgesetzt werden können. Seine Ausführungen zu „Cat. A Lighting“ machten deutlich, wie wichtig Menschen sind, die bestehende Prozesse hinterfragen und die Branche mit neuen Ideen in Richtung Wiederverwendung, Ressourcenschonung und konsequent zu Ende gedachter Kreislaufwirtschaft bewegen.
Einen weiteren wichtigen Blick auf Nachhaltigkeit eröffnete Yana Yakushina in ihrem Vortrag „Protecting the Night“. Sie gab einen Überblick über aktuelle regulatorische Entwicklungen im Umgang mit Lichtverschmutzung und dem Einsatz künstlichen Lichts in der Nacht. Im Mittelpunkt standen politische Diskussionen, unterschiedliche gesetzliche Ansätze sowie Initiativen wie ROLAN und DarkSky. Sie geben der Lichtbranche wichtige Orientierung für eine verantwortungsvolle Außenbeleuchtung, die nicht nur den Stadtraum gestaltet, sondern auch die Nacht, die menschliche Gesundheit und die Natur schützt.
Wie erwartet stand auch das Thema Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt vieler Diskussionen. Interessant war dabei, dass die Auseinandersetzung sehr differenziert geführt wurde. In den Vorträgen ebenso wie in Gesprächen ging es um sehr konkrete konkrete Fragen: Wofür ist KI in der Lichtplanung brauchbar und sinnvoll? Welche Aufgaben können sinnvoll automatisiert werden? Und welche Bereiche sollten Designerinnen und Designer bewusst für sich beanspruchen?
Damit verbunden ist auch die Frage, wie sich das Leistungsangebot von Lichtplanenden verändern muss, wenn einzelne Planungsaufgaben durch KI zuverlässig und effizient gelöst werden können. Welche Kompetenzen und Leistungen kommen hinzu, wenn andere wegfallen? Gerade diese Verschiebung macht deutlich, dass KI nicht nur ein technisches Werkzeug ist, sondern auch das Selbstverständnis gestalterischer Arbeit berührt.

Reza Jalalzadeh Asrjadidi und Carlo Pedata vom Lighting Team bei Foster + Partners zeigten in ihrem Vortrag sehr differenziert, welche Herausforderungen der Einsatz von Generativer KI im professionellen Kontext aufwirft. Dazu gehören der Schutz geistigen Eigentums, die Verantwortung für gestalterische Entscheidungen, die Vertraulichkeit von Kundendaten und die Rolle kreativer Urheberschaft. Anschaulich machten sie zudem deutlich, wie sich ihr Designprozess verändert: Generierte Referenzbilder können in Kombination mit einer realistischen Lichtsimulation aus DIALux zu einer überzeugenden Visualisierung eines Gesamtkonzepts werden, die Kunden ein sehr klares Bild der gestalterischen Idee vermittelt.
Daniel Green und Kuldeep Vali gaben in ihrem Beitrag einen aufschlussreichen Überblick darüber, wie Lichtplanende auf unterschiedlichen Erfahrungsstufen KI nutzen können, um ihren Planungsworkflow mit vorhandenen Tools effizienter zu gestalten, und das mit wenig oder ganz ohne Coding-Aufwand. Besonders bei Routinearbeiten, etwa dem Erstellen von Ideenskizzen und Leuchtenlisten oder dem Auswerten und Zusammenfassen großer Datenmengen, zeigen sich große Potenziale zur Automatisierung mit bereits verfügbaren KI-Lösungen.
Einen weiteren spannenden Ansatz präsentierte Dean Skira. Er zeigte, wie Außenbeleuchtung mithilfe von KI bis zur Losgröße 1 gedacht werden kann: Also mit der Idee, eine Leuchte mit einer individuellen Lichtverteilung für eine einzelne Position zu entwickeln. Auch für ihn stand der Schutz des Nachthimmels im Mittelpunkt, verbunden mit dem Ziel, Außenräume effizient, präzise und mit hohem Komfort zu beleuchten.
Einen starken Gegenpol zu den Diskussionen über KI, Automatisierung und Simulation bildete der sehr handwerkliche Zugang zur Lichtplanung. Philipp Schmitz von Licht Kunst Licht gab in seiner Projektvorstellung „From Darkness to Light“ einen detaillierten Einblick in die Beleuchtung des Kölner Doms.
Gerade im direkten Gegensatz zur Nutzung von KI oder Simulationen wurde deutlich, dass dieses Projekt aufgrund seiner Komplexität und der besonderen Baustruktur vollständig in „Handarbeit“ umgesetzt wurde. Ausgehend von einem übergreifenden Konzept, das die Charakteristik des gotischen Baustils herausarbeitet, wurde jede einzelne Leuchtenposition individuell ermittelt, bemustert, vermessen und installiert. Auch dieses Projekt nahm intensiv Bezug auf die Frage, wie Licht als Ressource im Stadtraum nachhaltig, bewusst und zugleich mit hoher konzeptioneller und ästhetischer Qualität eingesetzt werden kann.
Über die anwendungsorientierten und technischen Themen spannte sich ein weiterer inhaltlicher Bogen: Viele Beiträge referenzierten auf den Kern der Gestaltung mit Licht und die Arbeit mit Licht als Medium. Dabei ging es um menschliche Wahrnehmung und Erfahrung, und um eine Dimension, die weit über das rein Visuelle hinausgeht.
In seiner Keynote „LIGHT – Stillness and Movement“ lenkte Ian Ritchie den Blick auf Licht als grundlegendes Material der Architektur. Er betonte insbesondere die Dynamik des Lichts als wesentliches Element und zeigte, wie natürliches und künstliches Licht Form, Raum, Material und Wahrnehmung prägen. Für Ritchie sind Licht und Schatten, Welle und Teilchen miteinander verbundene Kräfte, die unser Empfinden von Bewegung, Balance und Atmosphäre im Raum beeinflussen.

Ein besonderes Highlight war für mich der Vortrag von Sharon Stammers und Martin Lupton von Light Collective. Sie widmeten sich der Bedeutung von Licht als Sprache menschlicher Erfahrung und stellten mit vielseitigen Bezügen zu Philosophie, Kunst, Physik und Spiritualität dar, wie Licht nicht nur Räume erhellt, sondern Bedeutung schafft und Räume „sprechen“ lässt. Ausgehend von der Rolle der Dunkelheit warfen sie die Frage auf, wie künstliches Licht unser Verständnis von Atmosphäre, Kultur und Erfahrung verändert. Ihre Reise endete mit dem Aufruf, Licht nicht nur als technische Größe zu betrachten, sondern als wesentliches Medium für sinnstiftende Räume und menschliche Erlebnisse zu begreifen.
Als „City of Light“ ist Paris in vielerlei Hinsicht ein kulturelles Zentrum des Lichts. Damit war die Stadt eine sehr passende Bühne für diese vielseitige Veranstaltung. Und für die lebendige, offene Community der IALD, die den Austausch zwischen Planung, Gestaltung, Forschung und Industrie auf besondere Weise ermöglicht.
Die Enlighten Europe hat erneut gezeigt, wie breit und relevant die Themen der Lichtbranche heute sind: von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft über Künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge bis hin zu Wahrnehmung, Kultur und menschlicher Erfahrung. Gerade diese Vielfalt macht die Konferenz so wertvoll. Sie zeigt, dass Lichtplanung technisches Wissen, gestalterische Haltung, gesellschaftliche Verantwortung und kulturelle Sensibilität gleichermaßen braucht.